Brave Old World
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Kritiken

NEW JEWISH MUSIC

Von Prof. Martin Schwartz, weithin anerkannter Gelehrter, Wissenschaftler in Klezmermusik:
Ich möchte sicherstellen, dass ein jeder richtig einzuschätzen vermag, was BOW wirklich genau geleistet hat. Es ist wichtig, dass wir verstehen, was in unserer Zeit geschieht, anstatt uns nur auf die Vergangenheit zu fixieren. Meiner Meinung nach befinden wir uns an einem historischen Punkt, wo nämlich das Klezmerrevival über sich selbst hinausgegangen und aus dem Schatten der Vergangenheit herausgetreten ist. BOW hat eine Musik geschaffen, die ebenso viel Glaubwürdigkeit und Kunstfertigkeit besitzt, wie alles, was wir auf den alten Aufnahmen hören, und ich prophezeie, dass Musiker auf diese Gruppe und ihre Musik ebenso zurücksehen werden wie wir es mit jenen frühen Aufnahmen getan haben.

BOW ist aufs tiefste in allen Aspekten der Klezmermusik und jiddischen Musik verwurzelt, seit langem sind sie deren anerkannteste, aufregendste und einflussreichste Vertreter. Mit der ihnen eigenen, staunenswerten Geschicklichkeit und Musikalität verschmelzen sie Kreativität und Tradition, Intellekt und Virtuosität, um ein organisches Ganzes zu schaffen. Mit gleichsam breitem wie tiefem Blickwinkel bewegt sich BOW weiter, mit einer neuen jüdischen Musik, die alle schillernde Improvisation des Jazz hat sowie die kompositorische Kultiviertheit der besten klassischen Musik, und umspannt das gesamte kulturelle Spektrum von osteuropäischer Tradition bis zu postmoderner experimenteller Musik, ein Meisterstück, das durch ihre wunderbare Gewandtheit und Vielseitigkeit als individuelle Künstler und ihre Ensemblekultur möglich wird. Weit mehr als nur eine "Klezmer"-gruppe, und ganz gewiss nicht einfach eine weitere "World Music" oder "Fusion"-Band: BOW steht für eine wichtige Entwicklung in zeitgenössischer Musik, die die Grenzen bestehender Kategorien überschreitet.

Von Ari Davidows Klezmer Shack:
BRAVE OLD WORLD spielte gestern abend im Bostoner New England Conservatory of Music, unter großem Jubel und Staunen. Obwohl der reguläre Bassist, Stu Brotman, nicht anwesend war, wurde er gekonnt durch Paul Morrissett von den Klezmatics vertreten (schwer, sich eine angemessenere Vertretung vorzustellen, wenn Vertretung schon nötig ist). Ich hatte die Band seit einigen Jahren, um die Zeit ihrer letzten Veröffentlichung (ein neues Album ist im Herbst fällig), dem heute unentbehrlichen "Beyond the Pale", nicht mehr gehört. Die Gruppe spielt eine Musik, die ganz und gar in der Gegenwart steht, so intensiv entwickelt aus der Musik, wie sie war, und doch so deutlich, offensichtlich, in höchstem Masse Klezmer dass man viele der Einflüsse nicht einmal auseinanderhalten kann: "Oh, das klingt ein bisschen jazzig, aber... Jazz ist es nicht, es ist, hmmm, oh, es =ist= Klezmer."
Die Band spielt nicht gern laut (wie Alan Bern, Tastenspieler und musikalischer Leiter, später erklärte), was nicht bedeutet, ohne Freude und Energie im Überfluss zu spielen. Tatsächlich, es geschah, als Bern eine solistische Folge von Akkordeonimprovisationen spielte -- er erkundete das Terrain ein paar Minuten, traf auf eine bekannte Melodie, schritt ein wenig weiter, und dann, als das Publikum gefesselt mitklatschte, sahen wir Michael Alperts Füsse im Sitzen auf und niederspringen, und als nächstes kann Alpert nicht mehr an sich halten, tanzt herum auf der Bühne wie auf einer Hochzeit, seine Füsse bewegen sich in komplexen Mustern über den Boden, auf einmal legt er seine Hände auf Berns Schultern während er tanzt und Bern weiterspielt, der perfekte Punkt und Kontrapunkt, Musik und Tanz, das Wesen von Klezmer. Es war ein wundervoller Abend.

From the Herald-Times, Bloomington, IN:
Ein übervolles Haus begrüßte - und feierte später - Brave Old World, das Viererensemble, das zum Wiedererwachen des Interesses in Klezmermusik beigetragen hat, in einem Sonntagabendkonzert im Buskirk-Chumley Theater.

Brave Old World hatten hier schon gespielt. Ihr herausragender Tastenexperte und musikalischer Leiter, Alan Bern, ist in Bloomington aufgewachsen. Seit ihrem letzten örtlichen Auftreten vor einigen Jahren scheint die Gruppe eine Ausdehnung ihrer Definition von Klezmermusik gesucht zu haben, obschon sie noch stets als die 'Supergroup' des Genres gelten. Die alten, wogenden Rhythmen und nicht loslassenden Melodien aus dem Osteuropa des frühen 19. Jahrhunderts bleiben die Grundlage; von einer Aufgabe der Ursprünge kann keine Rede sein. Die Musik der Gruppe ist weiterhin durchdrungen von der jiddischen Musik des Gestern. Am Sonntag wurden die Darbietungen ausgedehnt zu was Bern als New Jewish Music benennt, ein Fortschreiten, vermengt mit anderen Stilen.
Man hörte den Einfluss von Jazz, als zeitliches Voranschreiten, und von Bach, zurückgreifend. Einmal verwies die Musik etwa auf die Spielkultur eines Bobby Short, am Piano sitzend und subtile Gesänge in die Intimität eines New Yorker Clubs summend.

Aber ohne jeden Zweifel übermittelt Brave Old World noch stets die Atmosphäre eines älteren Europa. Ebenso gibt es keinen Zweifel an der kollektiven Virtuosität der Gruppe, zusammengetragen aus der brillanten Leistung eines jeden Einzelnen.

Bern, der einen großen Teil der Musik schrieb, sass am Flügel and brachte wundersame Klänge hervor. Doch dass er den Flügel verliess um Akkordeon zu spielen, brachte dem Rezensenten den höchstgeschätzten Moment des Abends, ein Solo namens "Big Train", das die Juden des zaristischen Russland zu ehren sucht. So viele junge Männer, erklärte Bern, wurden eingezogen, verdammt der Armee bis zu 25 Jahren zu dienen. Seine Musik, sagte er, symbolisierte den Abschied eines jungen Paares im Wissen, sich erst in mittleren Jahren wiederzusehen. Die Musik drückte mit lyrischer Bitterkeit ihre Liebe und den Trennungsschmerz aus, bis sich mitten im Geschehen ein Zug nähert, der sich in Bewegung setzt, vorwärts ruckt, sich mit immer wachsender Geschwindigkeit weiterschiebt. Am Ende nimmt der Klang ab, stoppt schließlich, als ob der Zug verschwunden sei.

Sänger und Violinist Michael Alperts Beitrag bestand nicht nur in kraftvollem Fiedelspiel, sondern auch in einem wirkungsvollen Lied, "Klaybt Zikh Tsunoyf" (Kommt zusammen), das fröhlich und schwunggewinnend das Herzstück jüdischen Lebens, die Zusammengehörigkeit, preist. "Versammelt Euch, Schwestern und Brüder," sagen die Worte, "und lasst uns froh sein, dass wir Juden sind. Genug geweint mit verwundeten Herzen! Wir sind uns verbunden wie eine Familie."

Aber während einiger improvisationsreicher instrumentaler Ausflüge der Art, die dem Publikum zustimmende Johler und Ausrufe entlockte, war es der Klarinettist Kurt Bjorling, der die schärfste Aufmerksamkeit verdiente und erhielt. Er vollbrachte einige staunenswerte Meisterleistungen auf seinem Instrument während des abschließenden "The Dance/Brave Old Dances 2001". Tanz, fürwahr. Wirbelnder, rasender, freudvoller Tanz der Sorte, die Menschen die sie umgebenden Sorgen für den Augenblick vergessen lässt. Bjorling brauchte keine Choreographie; er kontrollierte Raum und Zeit so nachdrücklich, dass um ihn herum die Zeit stillstand.
Dieses umjubelte Sonntagskonzert umfasste zwei volle Stunden Musik, ohne die Hilfe von Noten dargebracht. Das ist eine Leistung für sich.

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Das Lied des Ghetto LODZ

Fürth Nachrichten:
Ein bisschen Vorsicht ist immer angebracht, wenn eine Programmvorschau mit dem Prädikat "Weltklasse" aufwartet. Nach knapp zwei Stunden mit Brave old World jedoch gehört es dick unterstrichen, denn dieses Konzert mit Musik aus dem Lodzer Ghetto packte und wird so schnell nicht loslassen. Zu Beifallsstürmen riss das amerikanische Quartett seine Zuhörer in der bestens besuchten Stadthalle hin. Der Schlusspunkt des 2002er-Klezmer-Festivals geriet zum Höhepunkt und der Zugabenteil noch einmal halb so lang wie das Konzert selbst. Höchste musikalische Finesse und imponierendes Charisma: hier kam alles zusammen, was "Weltklasse" ausmacht.

Offenbach Nachrichten:
"Alle Erwartungen an ein Konzert mit Klezmer-Musik übertroffen" Vor dem Auftritt der vier Musiker von "Brave Old World" aus New York hatten sich hohe Erwartungen aufgebaut. Doch das neue Programm der Gruppe... übertraf alle Erwartungen und begeisterte vollends."Dus Gezangn fin Getto Lodz" nennt "Brave Old World" sein neues, überarbeitetes Programm. Es enthält nicht nur die Lieder, die in dem Ghetto von Lodz (Polen) zwischen 1939 und 1945 geschrieben wurden, sondern auch eigene Kompositionen. Die alten Lieder aus dem Ghetto wurden von Gila Flam von der hebräischen Universität unter Überlebenden des Lodzer Ghettos gesammelt. Zum überwiegended Teil stammen sie aus der Feder von Straßen- und Volkssängern. Arrangiert wurden die alten und neuen Lieder von Alan Bern, musikalischer Leiter von "Brave Old World", der auf dem Klavier und Akkordeon glänzt. Hinzu kommt Stuart Brotman, am Bass, Tsimbl, Tilinka und Percussion ein Meister seines Fachs. Das sich ständig entwickelnde und ändernde Programm von "Brave Old World" ist ein herausragendes Werk der Klezmer-Musiker, die weltweit von der Presse als die "Supergroup des Klezmer-Revivals" bezeichnet werden. So wollten die Zuschauer sie auch nicht ohne Weiteres gehen lassen: Erst nach der dritten Zugabe und einem "Lied zur Guten Nacht" waren sie zufrieden.

Leine Zeitung:
Wer bei Klezmermusik an ein Instrumentalensemble denkt, in dem die Klarinette mal übermütig, mal klagend die erste Geige spielt, hat Brave Old World verpasst. Das Weltklasse-Quartett hat Montagabend in Schloss Landestrost mit seinem noch ganz frischen Programm, das jeder Weltstadt zur Ehre gereicht hätte, nachhaltigen, tiefen Eindruck hinterlassen und unglaubliche Begeisterung erzeugt. Dort, wo andere Klezmerbands ihren Beifall einstreichen, setzt Brave Old World erst an. Sie verknüpfen mit Witz und Sensibilität überliefertes mit Aktuellem - sowohl in der Tonsetzung als auch in den Texten. So ist "Dus gezng fin getto Lodz" nicht nur Erinnerung an ein beispielloses abgründiges Kapitel der Menschheit aus dem Ghetto Lodz, sonder folgerichtig eine Reflexion der Vergangenheit bis zum heutigen Tage. Gegen das Vergessen - songs for survival... Die subtile Verschmelzung alter und neuer musikalischer Elemente, überlieferter Lieder und neuer, aktueller Texte sowie die ausgeprägt hohe Musikalität des Quartetts machen gleichermaßen Reiz und Erfolg aus. Jeder für sich ein Autorität, die ihre Vollendung im Ensemble sucht und findet. Brave Old World überzeugte deshalb - vor allem aber auch wegen der ausgemachten Spielfreude, die den Musikern bei allen gefeierten Erfolgen nicht abhanden gekommen ist... Brave Old World traf Montagabend auf ein konzentriert aufmerksames Publikum, das von dem 80-minütgen Marathon (ohne Pause, aber auch ohne Schwächen) mitgerissen und begeistert war und das erst nach mehreren Zugaben das Ensemble von der Bühne entließ.

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BOW mit ORCHESTER

Potsdamer Neueste Nachrichten:
Sehr originell waren dabei Klezmer, "New Jewish Music" und Klassik (Prokofyew, Bloch) in einen inneren Zusammenhang gebracht. Wer Klezmer ausschließlich mit traditioneller Festmusik der Juden Osteuropas in Verbindung bringt, hörsah sich enttäuscht. Das vierköpfige Ensemble "Brave Old World"... sucht vielmehr die Synthese aus verschiedenen Stilrichtungen und Genres. Ungarische Zigeunermusik, moderner jüdischer Volksgesang, amerikanischer Jazz und klassische Melodien vermischen sich zu einer vitalen Musik für das Konzertpodium, bei der andererseits die urwüchsige und temperamentvolle Tanzmusik aus dem Shtetl keinesfalls zu kurz kommt. Kurzum: aus verschiedenen Quellen speist sich ein breiter Strom, dessen munter fließender Lauf die jüdischer Vergangenheit mit der Zukunft verbindet.

Die Musikalität der Band ist des Staunens genauso wert wie ihre lustvolle betriebene Improvisationskunst, die ihre Wurzeln im Jazz hat. Rhythmisch auftrumpfend steigern die sich in "Säbeltanz"-Manier ins Finale I...Abschliessend vereinen sich "Brave Old World" und die Philarmonie beim "Groyser Gas-Nign", einem aus traditionellen jüdischen Melodien zusammengefügten Orchesterstück, das Alan Bern für beide Klangkörper arrangiert hat. Unter (Dirgent) Ud Joffes prächtiger Leitung hört es sich wie eine barocke Festfanfare an. Hymnisch und gemessenen Tanzschrittes kommt es daher. Dann entfacht Kurt Bjorling mit seinem Klarinetteneinsatz einen knackigen Orchesterwirbel, wie er einer jüdischen Hochzeit oder christlich-heidnischem Karnevalstreiben angemessen ist.
Noch einmal zeigt sich die Band von ihrer hinreißenden Seite, bevor Sänger-Geiger Michael Alpert mit seinen improvisierenden Gesangseinlagen dem Können der Branderbürgischer Philharmoniker-Muziker in jiddischer Sprache lobsingt. Köstlich. Danach ist eine Zugabe fällig.

Potsdamer Stadtkurier:
Michael Alpert (Gesang, Geige, Percussion), Alan Bern (Akkordeon, Klavier), Kurt Bjorling (Klarinette, Bassett Horn) und Stuart Brotman (Kontrabass, Tsimbl) führten sich mit einer Komposition von Bern beim Publikum ein. Akkordeon und Klarinette beginnen ein listiges Zwiegespräch, das mit Geige und Kontrabass spielerisch fortgesetzt wird. Das feuerwerksähnliche Stück erinnert mit seinen Motivketten an jüdische Volksweisen ebenso wie an Jazz- und klassische Motivik. Hervorzuheben die exzellente Musikalität and das geradezu geniale Zusammenspiel der Vollblut-Musiker.
Klezmer ist wie ein Baum. Die Wurzeln kennt man, doch über der Erde grünt es nicht ohne Wildwuchs. Wie der Name der Gruppe seine Herkunt betont, so findet man unter dem Geäst ihrer Musik eklektische Formen, gelgentlich gar mit Möbius-Effekt, Musizieren um des Musizierens willen, anspruchsvolle Unterhaltung, in der Richtungsbestimmung nicht eben leicht. Solch Einwand focht das meist junge Publikum nicht an, Klezmer ist trendy, "Brave Old World" hatte die Blechbüchse sehr bald im Sack. Es folget ein 30-minütiges Programm - kleine Lieder, längere Solopassagen, typisch jüdischer Kehlgesang und lyrische Texte, exzellent vorgetragen, mit improvisatorischem Eindruck behaftet. Es füllte mit Feuer und Seele die Zeit bis zur Pause.
Den Abschluss des fast dreistündigen Abends bildete ein Arrangement jiddischer Melodien "Groyse Kapelye, Groyser Tanz" für Brave Old World aus der Feder von Bern. Es beginnt mit klassichem Motiv, streicht aber bald in die Instrumentalisation traditioneller jiddischer Klänge. Hier wirkte eine unglaubliche Kraft, von der Philharmonie taktkräftig verstärkt... es riss das Publikum von den Sitzen. Stehende Ovationen, Zugaben, Füßetrampeln, Pfiffe und Bravorufe belohnten die seligen Musiker exzessiv für einen starken Abend. (Dirigent) Ud Joffe freilich verabschiedete sich, rückwärtswinkend, schon vor der Zeit. Das Ende dieses besonderen Trendy-Konzertes war dennoch ein riesiges Fest.
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